Details zum Fachbereich Werkstatt

1. Emotionale Entwicklung und soziales Lernen
Das plastische Gestalten und Modellieren fördert beim Kind Geduld und Ruhe. Ganz nebenbei entwickeln die Kinder dabei eigene Ideen, setzen diese um und steigern dadurch ihr Selbstwertgefühl. Die Kinder machen die Erfahrung: Ich bin willkommen, ich bin wichtig, ich wirke und ich kann etwas bewirken.“ Bei Hilfestellung und Achtung persönlicher Bedürfnisse erfährt das Kind gegenseitige Wertschätzung.

2. Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und Freude am Lernen
Plastisches Gestalten und Modellieren ermöglicht eine eher spielerische, experimentelle und nicht zweckgerichtete Auseinandersetzung mit diversen Materialien. Das Material regt die Phantasie an und setzt je nach Eigenschaft sehr unterschiedliche Grenzen: von weich mit wenig Widerstand bis hin zu hart mit hohem Widerstand. Durch die Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Materials wird beim Gestaltenden der Realitätsbezug gefördert. Gerade bei Kindern sind solche Materialerfahrungen sehr wichtig, um die eigenen Möglichkeiten aber auch Grenzen unmittelbar erfahrbar zu machen.

Das handwerkliche Tun  fördert beim Kind Geduld und Ruhe. Es kann lernen, seine motorischen Impulse produktiv, kontrolliert und gesteuert einzusetzen. Die Sinneswahrnehmung wird gefördert.

Die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten kann durch das Herausfinden eigener Lösungswege wirkungsvoll gefördert werden. Schon kleine Kinder arbeiten an Lösungen, wie sie z.B. einen krummen Nagel wieder richten können. Kinder lernen schrittweise, ihre eigene Vorgehensweise zu planen und somit ihre Ausdauer und Konzentration bei Handlungsabläufen zu trainieren.

3. Körper - Bewegung - Gesundheit
Die Kinder können die Grob- und Feinmotorik durch den Umgang mit unterschiedlichem Material  und Werkzeugen (Hammer, Säge, Handbohrer, etc.) erlernen. Ganz nebenbei entwickeln die Kinder dabei eigene Ideen, setzen diese um und steigern dadurch ihr Selbstwertgefühl. Aus anfänglichem ungeübt sein entwickelt sich schnell ein sensibles Gefühl für die richtige Kraftdosierung. Kinder  lernen, ihre motorischen Impulse produktiv, kontrolliert und gesteuert einzusetzen

4. Sprache und Sprechen
Die Kinder bekunden ihr Interesse am Werkzeug, am Material und an den Arbeitsvorgängen. Werkzeuge können benannt werden, Arbeitsweisen und Handlungsabläufe geschildert werden. Sie treten miteinander in Beziehung, diskutieren, stellen Fragen und finden selbst Antworten, wobei sie Gefühle wie Stolz und Zufriedenheit ausdrücken.

5. Lebenspraktische Kompetenzen
Der zweckgerichtete Umgang mit Werkzeugen ist eine Fähigkeit, ohne die ein vernünftiges Ergebnis kaum zu erzielen ist. Die Auswahl der Baumaterialien muss getroffen werden und Kinder müssen sich gut überlegen, mit welchem Werkzeug sie welchen Werkstoff am besten bearbeiten.

Die Kinder erkennen sehr schnell, dass sie nur mit einem richtigen Werkzeug, einer scharfen Säge, einem schweren Hammer, einem scharfen Messer ordentlich arbeiten können. Das bedeutet aber auch, dass sie lernen müssen, mit Werkzeugen und Geräten richtig umzugehen.

In der Werkstatt ist es unerlässlich, Ordnung zu halten, sonst finde ich mein Werkstück nicht wieder. Damit  die Kinder, die nach mir die Werkstatt nutzen, die Werkzeuge in ordentlichem Zustand vorfinden, müssen sie an ihrem Platz sein. Wenn ein Werkzeug abgenutzt ist, muss es erneuert oder wieder geschliffen werden. So lernen die Kinder auch, Verantwortung zu übernehmen.

6. Mathematisches und naturwissenschaftliches Grundverständnis
In der Werkstatt wird gemessen, gewogen, verglichen, nach Größe oder Längen sortiert, es wird überlegt, wie viel Teile man benötigt oder wie viel Zeit man für die Herstellung eines Werkstückes benötigt.

Mathematische Zusammenhänge werden bewusst hergestellt. Die Kinder haben ungeahnten Spaß an mathematischen Zusammenhängen, wenn sie hier erleben können, wozu sie gut sind. Es macht nämlich Sinn, sich zu überlegen, ob die vordere Tragfläche beim Holzflugzeug länger sein muss als die hintere.

7. Ästhetische Bildung
Das unterschiedliche Material regt die Phantasie an und setzt je nach Eigenschaft sehr unterschiedliche Grenzen: von weich mit wenig Widerstand bis hin zu hart mit hohem Widerstand. Kinder brauchen Angebote, um selbst tasten und berühren zu können. Es ist wichtig, ihnen Material zur Verfügung zu stellen, das ihren Tastsinn unterstützt. Ton, aber auch Sand, Erde und Wasser sind hier sehr gute Materialien. Die Auseinandersetzung mit  unterschiedlichen Skulpturen verschiedener Künstler fördert  hier insbesondere die ästhetische Bildung.

8. Natur und Lebenswelt
Ich baue etwas und es macht Spaß. Ich baue etwas, weil ich es zum Spielen brauche. Die Kinder erleben, dass es zu ihrem Leben gehört, sich Dinge, die sie benötigen, selber herstellen können. Man kann etwas aus Holz, aus Ton, aus Metall und Sand bauen. Alles hat einen anderen Zweck. Damit man das, was man benötigt oder erreichen will, richtig gut machen kann, lernt man einen Beruf. Berufe gehören zu unserem Leben.

Besonders Handwerker aber auch andere Berufe setzen sich mit natürlichen Materialien auseinander (Tischler, Zimmerleute, usw.) oder arbeiten in unserem natürlichen Umfeld. Kinder sollen in der Werkstatt auf ihrem jeweiligen Niveau erfahren können, wie unsere Welt funktioniert. Wie entsteht ein Holzbrett, warum rostet Metall, wie mache ich mein Werkstück besonders stabil?

Zum Plastisieren, Modellieren und Bauen bieten wir ein großes Spektrum an Materialien an. Es reicht von Ton, Gips, Holz, Stein und anderen Naturmaterialien bis hin zu Abfallprodukten. Gleichfalls erfahren die Kinder, woher die unterschiedlichen Materialien stammen.

9. Ethik und religiöse Fragen, Grunderfahrungen menschlicher Existenz
Die wichtigste Erfahrung, mit der jedes Kind aus der Werkstatt kommt ist: Ich wirke und ich kann etwas bewirken. Indem ich etwas herstellen kann, kann ich selbst für mich sorgen. Wozu sind Berufe wichtig, nach welchen Beruf könnte ich selber streben? Auch wenn sich diese Vorstellung noch häufig wandeln wird.

In der Werkstatt lernen Kinder auch etwas über den Umgang mit Werkzeugen und über das Herstellen von Werkstücken in anderen Ländern und zu anderen Zeiten. Wie haben sich Werkzeuge entwickelt? Wer hat den Drachen erfunden? Wenn die Kinder z.B. einen Drachen bauen, erfahren sie auch, welche Bedeutung der Drachenbau hatte, aus welchem Land diese Idee stammt und welchen Sinn der Drachenbau für die Menschen hatte.